Sicherheit und Wahlgeheimnis bei Online-Wahlen
Wie Online-Wahlen geheim und sicher bleiben: Trennung von Wählerverzeichnis und Urne, Verschlüsselung, Nachprüfbarkeit, BSI-Schutzprofil und Restrisiken.
Online-WahlenVeröffentlicht
Bei einer Online-Wahl bleibt die Stimme geheim, weil zwei Dinge getrennt gespeichert werden: das Wählerverzeichnis, in dem vermerkt wird, wer gewählt hat, und die digitale Urne, in der die Stimmen ohne Namen liegen. So verhindert das System doppelte Stimmabgaben, ohne zu wissen, wer was gewählt hat. Verschlüsselung, Rechtekonzepte und Protokolle sichern den Ablauf zusätzlich ab. Hier erklären wir die Grundsätze, die Restrisiken und die richtigen Fragen an Anbieter.
Fünf Anforderungen an eine geheime Online-Wahl
| Grundsatz | Bedeutung online | Typische Umsetzung |
|---|---|---|
| Wahlberechtigung | Nur Personen im Wählerverzeichnis dürfen wählen | Persönliche Zugangsdaten, teils zweiter Faktor |
| Eine Person, eine Stimme | Niemand wählt doppelt | Vermerk im Wählerverzeichnis |
| Wahlgeheimnis | Keine Stimme lässt sich einer Person zuordnen | Getrennte Speicherung, Verschlüsselung |
| Integrität | Stimmen können nicht unbemerkt verändert werden | Verschlüsselung, Signaturen, versiegelte Urne |
| Nachprüfbarkeit | Ergebnis lässt sich kontrollieren | Prüfcodes, Protokolle, gemeinsame Auszählung |
So werden Person und Stimme getrennt
Beim Login prüft das System Ihre Zugangsdaten gegen das Wählerverzeichnis. Bei der Stimmabgabe passieren zwei Dinge unabhängig voneinander: Im Verzeichnis wird vermerkt, dass Sie gewählt haben, und Ihre Stimme landet ohne Personenbezug in der Urne. Viele Systeme verschlüsseln die Stimme bereits auf Ihrem Gerät und entschlüsseln alle Stimmen erst gemeinsam bei der Auszählung. Manche verteilen den Schlüssel auf mehrere Mitglieder des Wahlausschusses, damit niemand die Urne allein vorzeitig öffnen kann.
Genau hier liegt der Unterschied zu Umfrage-Tools: Sie speichern jede Antwort als Datensatz, oft mit E-Mail-Adresse, Login oder IP-Adresse. Wie Sie diese Verbindung bei Umfragen verringern, steht unter Anonyme Umfrage erstellen. Für umstrittene Wahlen ist spezialisierte Wahlsoftware die sicherere Wahl.
Nachprüfbarkeit: Vertrauen durch Kontrolle
Bei der Urnenwahl können Wahlhelfer und Öffentlichkeit zusehen. Online braucht es andere Wege, die in der Forschung unter dem Begriff Ende-zu-Ende-Verifizierbarkeit zusammengefasst werden:
- Wie beabsichtigt abgegeben: Die Wählerin kann prüfen, dass der Stimmzettel ihre Wahl wiedergibt.
- Wie abgegeben gespeichert: Mit einem Prüfcode lässt sich kontrollieren, dass die Stimme in der Urne liegt.
- Wie gespeichert gezählt: Jede berechtigte Stelle kann nachprüfen, dass alle Stimmen korrekt ausgezählt wurden.
Viele Produkte für Vereine und Verbände setzen nur Teile davon um. Fragen Sie konkret nach.
Das BSI-Schutzprofil
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat ein Schutzprofil nach Common Criteria mit Basis-Sicherheitsanforderungen an Online-Wahlprodukte veröffentlicht (BSI-CC-PP-0037). Es ist für nicht-politische Wahlen gedacht, etwa in Vereinen, Verbänden oder Hochschulgremien. Zu den Anforderungen gehört unter anderem, dass aus der abgegebenen Stimme nicht auf die Person geschlossen werden kann, dass Wählende ihre Wahlentscheidung Dritten nicht beweisen können und dass jede wahlberechtigte Person nur einmal wählt. Produkte können gegen das Profil zertifiziert werden, POLYAS etwa gibt an, für seine Software ein solches Zertifikat erhalten zu haben. Ein Zertifikat gilt immer für eine bestimmte Version, lassen Sie sich diese nennen. Zertifizierte Produkte veröffentlicht das BSI.
Warum staatliche Wahlen auf Papier bleiben
Das Bundesverfassungsgericht hat 2009 in seiner Entscheidung zu Wahlcomputern den Grundsatz der Öffentlichkeit der Wahl betont: Die wesentlichen Schritte müssen für Bürgerinnen und Bürger ohne besondere Fachkenntnisse überprüfbar sein. Online ist das kaum zu leisten, deshalb gibt es bei Bundestags- oder Landtagswahlen keine Internetwahl. In der Schweiz ist die elektronische Stimmabgabe nur in einzelnen Kantonen und unter strengen Auflagen zugelassen. Für Vereinswahlen gilt der verfassungsrechtliche Maßstab nicht unmittelbar, die Alternative ist dort oft die Briefwahl mit eigenen Schwächen.
Restrisiken
- Endgerät: Schadsoftware auf Smartphone oder Laptop könnte theoretisch Anzeige oder Übertragung manipulieren.
- Beeinflussung zu Hause: Jemand schaut zu oder übt Druck aus. Manche Systeme erlauben eine erneute Stimmabgabe, bei der nur die letzte zählt.
- Zugangsdaten: Weitergeleitete Codes oder gemeinsame Postfächer hebeln die Berechtigungsprüfung aus.
- Administration: Geteilte Admin-Konten oder schwache Passwörter untergraben jede Technik.
Fragen an Anbieter
- Wie genau werden Identität und Stimme getrennt? Können Administratoren einzelne Stimmen sehen?
- Werden Stimmen verschlüsselt, und wer verwaltet die Schlüssel?
- Wo stehen die Server, gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach DSGVO?
- Welche Zertifikate, Audits oder Penetrationstests sind belegt, und für welche Version?
- Welche Prüfmöglichkeiten haben Wählende und Wahlausschuss?
- Welches Protokoll erhält der Wahlausschuss nach der Wahl?
Was Anbieter zu diesen Punkten angeben, fasst unser Online-Wahl-Software-Vergleich zusammen. Wie Sicherheit in den Gesamtablauf passt, zeigen So funktionieren Online-Wahlen und die Anleitung zur Vorstandswahl online.
Die Anbieter auf dieser Seite
POLYAS
Sitz: Deutschland
Website besuchenSimply Voting
Sitz: Kanada
Website besuchen
Häufige Fragen
Ist eine Online-Wahl so geheim wie eine Urnenwahl?
Technisch lässt sich das Wahlgeheimnis gut absichern. Der Unterschied liegt im Umfeld: In der Wahlkabine schaut niemand zu, zu Hause schon eher. Ähnlich ist es bei der Briefwahl.
Kann der Vorstand einzelne Stimmen einsehen?
Bei Wahlsoftware mit getrennter Speicherung nicht. Bei den meisten Umfrage- und Formular-Tools können Administratoren dagegen jede Antwort sehen, teils mit E-Mail- oder IP-Adresse. Prüfen Sie das vor einer geheimen Wahl.
Was bedeutet BSI-zertifiziert bei Online-Wahlen?
Das BSI hat ein Schutzprofil mit Basis-Sicherheitsanforderungen an Online-Wahlprodukte veröffentlicht (BSI-CC-PP-0037). Ein Zertifikat bestätigt, dass eine bestimmte Version eines Produkts diese Anforderungen erfüllt. Lassen Sie sich Zertifikat und Version zeigen.
Warum gibt es bei Bundestagswahlen keine Online-Wahl?
Unter anderem, weil das Bundesverfassungsgericht 2009 betont hat, dass die wesentlichen Schritte einer politischen Wahl für Bürger ohne Fachkenntnisse nachprüfbar sein müssen. Das ist online schwer zu erfüllen. Für Vereinswahlen gilt dieser Maßstab nicht unmittelbar.
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