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Virtuelle und hybride Mitgliederversammlung: Leitfaden

Virtuelle oder hybride Mitgliederversammlung durchführen: Rechtsgrundlage, Einladung nach § 32 BGB, Technik, Abstimmungen, Protokoll und Checkliste.

Online-WahlenVeröffentlicht

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Prüfen Sie Ihre Satzung und die aktuelle Rechtslage oder fragen Sie eine Anwältin oder einen Anwalt.

Bei einer virtuellen Mitgliederversammlung treffen sich alle Teilnehmenden ausschließlich online, bei einer hybriden gibt es einen Versammlungsort, an dem sich einzelne Mitglieder per Video zuschalten und mitstimmen. Beides funktioniert zuverlässig, wenn drei Dinge vorher geklärt sind: die Rechtsgrundlage, die Technik für die Aussprache und die Technik für die Abstimmungen. Dieser Leitfaden führt von der Einladung bis zum Protokoll.

Präsenz, hybrid oder virtuell?

Form Vorteile Nachteile
Präsenz Vertraut, Identität leicht prüfbar, gute Diskussionen Anreise, bei großen Vereinen oft geringe Beteiligung
Hybrid Wahlfreiheit für Mitglieder, Vereinsheim bleibt Treffpunkt Technisch am anspruchsvollsten: Raumton, Kamera, zwei Publikumsgruppen
Virtuell Kein Raum nötig, hohe Reichweite Debatte wirkt förmlicher, Mitglieder ohne Internet brauchen einen anderen Weg

Die hybride Form klingt nach Kompromiss, ist aber am schwierigsten gut umzusetzen. Zugeschaltete Mitglieder müssen den Saal verstehen und sich zu Wort melden können. Bestimmen Sie deshalb eine Person, die sich ausschließlich um die Online-Teilnehmenden kümmert.

Schritt 1: Rechtsgrundlage klären

Für eingetragene Vereine gilt seit März 2023 § 32 Abs. 2 BGB: Eine hybride Versammlung kann direkt bei der Einberufung vorgesehen werden. Eine rein virtuelle Versammlung ist möglich, wenn die Mitglieder vorher beschlossen haben, dass künftige Versammlungen auch virtuell einberufen werden dürfen. Die Satzung kann davon abweichen (§ 40 BGB). Für GmbH, Genossenschaft oder Eigentümergemeinschaft gelten eigene Regeln, siehe unsere Seiten zur Online-Abstimmung im Verein und zu Online-Beschlüssen in der WEG. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Vorschriften, maßgeblich sind dort ebenfalls die Statuten.

Schritt 2: Einladung schreiben

Zusätzlich zu Tagesordnung und Einberufungsfrist gehört in die Einladung:

  • die Versammlungsform und bei hybriden Versammlungen der Ort;
  • die Videoplattform und der Zugangsweg;
  • wie sich Mitglieder identifizieren;
  • wie abgestimmt wird und ob ein eigenes Wahlsystem zum Einsatz kommt;
  • eine Ansprechperson für Technikfragen;
  • wie Mitglieder ohne Internet teilnehmen können, etwa per Stimmrechtsübertragung, falls die Satzung sie zulässt.

Den Hinweis, wie Mitglieder ihre Rechte elektronisch ausüben, verlangt § 32 Abs. 2 Satz 3 BGB ausdrücklich (Gesetzestext).

Schritt 3: Technik einrichten

Sie brauchen zwei Werkzeuge, die von einem oder zwei Anbietern kommen können:

  1. Eine Plattform für die Aussprache: Videokonferenz mit Warteraum, Handheben oder Chat und Bildschirmfreigabe.
  2. Ein Werkzeug für Abstimmungen: Für offene Abstimmungen über einfache Fragen reichen ein Live-Voting-Tool oder die Umfragefunktion der Plattform. Für Wahlen und geheime Abstimmungen brauchen Sie ein Wahlsystem, das die Stimmberechtigung prüft und Identität und Stimme trennt. Die Gründe stehen unter Sicherheit und Wahlgeheimnis.

Verschicken Sie persönliche Zugangsdaten vorab. Ein allgemeiner Link im Chat lädt auch Gäste zum Mitstimmen ein.

Schritt 4: Generalprobe

Proben Sie mit Versammlungsleitung, Protokollführung, Technik-Host und ein bis zwei Mitgliedern:

  • Einwahl per Laptop und Smartphone;
  • Stummschalten, Wortmeldung, Handheben;
  • eine Testabstimmung vom Start bis zum Ergebnis;
  • bei hybriden Versammlungen Saalmikrofon und Leinwand mit den zugeschalteten Mitgliedern.

Schritt 5: Versammlung durchführen

  • Früh öffnen, damit Tonprobleme vor Beginn gelöst sind.
  • Beschlussfähigkeit feststellen anhand angemeldeter Stimmberechtigter. Die gängigen Regeln erklärt Mehrheiten und Quorum.
  • Abstimmungsverfahren einmal erklären: Wie wird eine Abstimmung geöffnet, wie lange läuft sie, wie wird das Ergebnis gezeigt?
  • Jede Abstimmung klar ansagen, ausreichend Zeit geben und das Ergebnis samt Enthaltungen verlesen.
  • Chat im Blick behalten, dort kommen Fragen und Anträge zur Geschäftsordnung oft zuerst an.

Schritt 6: Protokoll und Nachbereitung

Halten Sie Versammlungsform, Plattform und Wahlsystem fest, außerdem die Zahl der anwesenden Stimmberechtigten je Abstimmung, die Ergebnisse und etwaige Störungen. Den Bericht des Wahlsystems legen Sie zum Protokoll. Informieren Sie die Mitglieder zeitnah über die Ergebnisse.

Checkliste für den Versammlungstag

  • Versammlungsleitung, Protokoll und Technik-Host benannt
  • Wählerverzeichnis hochgeladen, Zugangsdaten verschickt
  • Generalprobe erledigt, Testabstimmung gelöscht
  • Plan B für Ausfälle vereinbart
  • Technik-Hotline angekündigt
  • Protokollvorlage vorbereitet

Diese Seite ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Prüfen Sie Satzung und geltendes Recht für Ihre Organisation.

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Häufige Fragen

Was muss in der Einladung zur virtuellen Versammlung stehen?

Neben Tagesordnung und Frist verlangt § 32 Abs. 2 BGB die Angabe, wie die Mitglieder ihre Rechte elektronisch ausüben können. Dazu gehören Plattform, Zugangsweg und das Verfahren für Abstimmungen.

Darf die Umfragefunktion des Videotools für Wahlen genutzt werden?

Für offene Abstimmungen über Verfahrensfragen oft ja. Eingebaute Umfragen zeigen dem Host aber häufig, wer wie abgestimmt hat, und prüfen keine Stimmberechtigung. Für geheime Wahlen nutzen Sie ein separates Wahlsystem.

Wie stellen wir die Beschlussfähigkeit fest?

Zählen Sie nur Mitglieder, die sich mit persönlichen Zugangsdaten angemeldet haben, nicht die Kacheln im Videocall. Viele Wahlsysteme zeigen die Zahl der anwesenden Stimmberechtigten laufend an.

Was passiert bei einem Verbindungsabbruch während der Abstimmung?

Legen Sie vorher fest, wie lange gewartet wird, ob wiederholt wird und wer entscheidet. Halten Sie Störungen im Protokoll fest. Waren viele Mitglieder betroffen, ist eine Wiederholung meist der sicherere Weg.

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